Lidl gewinnt an Boden, während Albert Heijn an Dynamik verliert: Steigende Ölpreise beeinflussen den niederländischen Lebensmittelhandel

Nach unserer Analyse für Deutschland  — die später auch von Handelsblatt aufgegriffen wurde — zeigen sich nun ähnliche Verhaltenssignale auch im niederländischen Lebensmittelhandel.

Nach dem Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge des Konflikts mit Iran passen offenbar auch niederländische Verbraucher ihr Einkaufsverhalten an. Die Kraftstoffpreise reagierten unmittelbar, während Inflationssorgen und Diskussionen über Haushaltsbudgets schnell wieder stärker in den öffentlichen Fokus rückten.

Accurat analysierte Supermarktbesuche in den Niederlanden zwischen Kalenderwoche 6 und Kalenderwoche 13 des Jahres 2026 und verglich damit die Entwicklung vor und nach dem ersten Energieschock. Die neuesten Ergebnisse lagen bereits zwei Tage nach Ende der Kalenderwoche 13 vor und zeigen, wie schnell sich Verhaltensänderungen heute über standortbasierte Marktforschung erkennen lassen.

Das erste sichtbare Signal: Discountformate gewinnen an Relevanz, während Supermarktketten im mittleren bis mittelhohen Preissegment an Dynamik verlieren.

Lidl gewinnt Marktanteile, Albert Heijn verzeichnet den deutlichsten Rückgang

Auf nationaler Ebene ist Lidl der klare Gewinner im niederländischen Markt im betrachteten Zeitraum.

Zwischen Kalenderwoche 6 und Kalenderwoche 13 konnte Lidl seinen Besuchsanteil kontinuierlich steigern, während Albert Heijn den deutlichsten Rückgang verzeichnete. ALDI legte ebenfalls leicht zu, während Jumbo insgesamt weitgehend stabil blieb.

Der Unterschied ist strukturell relevant, da Lidl und ALDI die wichtigsten Discountformate im niederländischen Markt darstellen, während Albert Heijn, Jumbo und PLUS stärker im mittleren bis mittelhohen Preissegment positioniert sind.

Im Unterschied zu Deutschland, wo vor allem die Aldi-Banner die stärksten Bewegungen zeigten, konzentriert sich die Dynamik im niederländischen Markt aktuell klar auf Lidl

Besuchsverlagerungen bestätigen die Bewegung weg von Albert Heijn

Auch die Analyse der Besuchsverlagerungen zwischen Februar und März bestätigt diese Entwicklung.

Die stärksten Besucherbewegungen in Richtung Lidl kamen von Albert Heijn, PLUS und Dirk. Auch ALDI gewann Besucher von Albert Heijn.

Das zeigt, dass ein Teil der Marktbewegung auf direkte Wechsel zwischen etablierten Supermarktketten zurückzuführen ist, wobei Albert Heijn Besucher an beide Discountformate verliert.

Unter den grösseren Handelsketten erzielt Lidl im betrachteten Zeitraum die stärksten wettbewerblichen Zugewinne.

Im Süden der Niederlande ist die Verschiebung am stärksten sichtbar

Regionale Unterschiede zeigen, dass sich die Entwicklung im ganzen Land beobachten lässt — am stärksten jedoch in Süd-Niederlande, wo Lidl am meisten Marktanteil gewann und Albert Heijn den grössten Rückgang verzeichnete.

Auch in Nord-Niederlande, Ost-Niederlande und West-Niederlande zeigt sich dieselbe Richtung, wenn auch weniger ausgeprägt.

Ein ähnliches Muster zeigt sich in den niederländischen Wohlstandsklassen (welstandsklassen), die Haushalte nach ihrem sozioökonomischen Profil einteilen.

Den stärksten Rückgang verzeichnet Albert Heijn in der Wohlstandsklasse W5, die das niedrigste sozioökonomische Profil aufweist, während Lidl in allen Wohlstandsklassen zulegt.

Dies deutet darauf hin, dass die Preissensibilität in den unteren sozioökonomischen Gruppen am stärksten ist, aber dennoch in allen Wohlstandsklassen zu beobachten ist.

Das Wachstum wird vor allem durch mehr Besucher getragen, nicht durch höhere Frequenz

Die durchschnittliche Besuchsfrequenz veränderte sich zwischen Februar und März nur geringfügig.

Das stärkere Signal liefert der Besucheranteil, der zeigt, wie viele individuelle Käufer eine Kette im betrachteten Zeitraum besucht haben — unabhängig davon, wie oft sie zurückkehrten.

Hier gewann Lidl deutlich hinzu, während Albert Heijn klar an Reichweite bei individuellen Besuchern verlor. Auch ALDI konnte seine Besucherbasis ausbauen.

Das deutet darauf hin, dass die aktuelle Verschiebung vor allem durch zusätzliche Käufer bei Discountformaten getragen wird und weniger durch häufigere Besuche bestehender Kunden.

Was wir aktuell in Deutschland und den Niederlanden sehen, ist, wie schnell makroökonomischer Druck im alltäglichen Einkaufsverhalten sichtbar wird. Der interessante Unterschied liegt darin, dass jeder Markt derzeit seinen eigenen Gewinner hat: In Deutschland setzte Aldi zuerst ein Signal, in den Niederlanden gewinnt aktuell Lidl am stärksten an Dynamik.

Maarten Vander Beken, Busniness Development Manager

Was das für den Wettbewerb im niederländischen Lebensmittelhandel bedeutet

Drei strukturelle Beobachtungen stechen hervor:

  • Lidl zeigt aktuell die stärkste Wachstumsdynamik
  • Albert Heijn verliert sowohl Marktanteil als auch Besucherreichweite
  • Discountformate gewinnen über Regionen und sozioökonomische Gruppen hinweg an Relevanz

Die niederländischen Ergebnisse bestätigen, was zuvor bereits in Deutschland sichtbar wurde: Steigende Energiepreise können sich deutlich schneller im Einkaufsverhalten niederschlagen, als viele Marktteilnehmer erwarten.

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