Karneval verschiebt Kundenströme im Lebensmitteleinzelhandel in NRW

Der Karneval zählt zu den wichtigsten saisonalen Handelsphasen in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen (NRW) – dem Herz des deutschen Karnevals – konkurrieren Supermärkte in den Wochen vor Aschermittwoch besonders intensiv um Kundinnen und Kunden, die sich mit Getränken, Snacks und Feierbedarf eindecken.

Auf Basis der KI-gestützten Mobilitätsanalyse von Accurat wurden die Supermarktbesuche in NRW im Zeitraum vom 22. Januar bis 18. Februar 2026 untersucht. Als Referenz diente die vierwöchige Vorperiode. Ziel war es, Veränderungen bei Besucherströmen und -frequenz sowie Einkaufsstättenwechsel sichtbar zu machen.

Die Ergebnisse lagen bereits zwei Tage nach Ende des Analysezeitraums vor – ein Beleg für die Geschwindigkeit und Präzision datenbasierter Verhaltensanalysen.

Die Daten zeigen eine klare Verschiebung der Kundenströme während der Karnevalsphase.

Harddiscounter verlieren Besuchsanteile

Auf Gesamtmarktebene verzeichneten die großen Harddiscounter – ALDI Nord, ALDI Süd und Lidl – im Vergleich zur Referenzperiode Rückgänge bei ihren Besuchsanteilen.

Demgegenüber gewannen Netto Marken-Discount und Penny deutlich hinzu. Auch REWE und Kaufland konnten ihre Position stärken, während Edeka moderat zulegte. Edeka Center standen hingegen stärker unter Druck.

Der Karneval begünstigte damit kein einzelnes Handelsformat. Vielmehr kam es zu einer Neuverteilung innerhalb des Discountsegments sowie zu Zugewinnen bei ausgewählten Vollsortimentern und Großflächenanbietern.

Besucheranteile in NRW während der Karnevalsperiode vs Referenzzeitraum:

Wechselbereitschaft als zentraler Treiber

Die Visit-Transfer-Analyse zeigt, dass Einkaufsstättenwechsel zwischen Handelsketten eine zentrale Rolle spielten.

Sowohl ALDI Nord als auch ALDI Süd verloren Besuche an mehrere Wettbewerber – insbesondere an Netto Marken-Discount, Penny, REWE und Kaufland. Auch Lidl verzeichnete Abwanderungen in Richtung dieser Händler.

Gleichzeitig erscheinen Netto Marken-Discount, Penny, REWE und Kaufland konsistent auf der Gewinnerseite der Besuchertransfers.

Diese Muster verdeutlichen, dass saisonale Hochphasen die Wechselbewegungen zwischen Wettbewerbern im Lebensmitteleinzelhandel deutlich verstärken können.

Besuchertransfer in NRW während des Referenzzeitraums vs Karnevalsperiode:

Besucherfrequenz steigt bei allen Händlern

Die durchschnittliche Besucherfrequenz stieg während der Karnevalsperiode im Vergleich zur Referenzperiode bei allen analysierten Supermarktketten.

REWE wies dabei die höchste Frequenz im Markt auf. Gleichzeitig verzeichneten auch ALDI Nord, ALDI Süd, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny, Kaufland, Edeka und Edeka Center messbare Zuwächse – auch wenn die Harddiscounter geringere Anstiege verzeichneten als der Gesamtmarkt.

Die Karnevalsphase war somit sowohl durch eine höhere Einkaufsintensität als auch durch eine spürbare Umverteilung von Besuchen gekennzeichnet.

Durchschnittliche Frequenz während der Karnevalsperiode in NRW:

Mehrfachnutzung von Händlern im Analysezeitraum

Die Combiner-Analyse zeigt deutliche Überschneidungen zwischen einzelnen Handelsketten.

Hohe Überlappungen zwischen Kombinationen wie REWE und ALDI Süd, Lidl und Kaufland, Lidl und Penny sowie REWE und Penny unterstreichen die Relevanz von Multi-Store-Verhalten und individuellen Einkaufsrepertoires.

Die Performance in saisonalen Spitzenzeiten hängt damit nicht nur vom eigenen Besuchsanteil ab, sondern auch davon, wie stark ein Händler in das gesamte Einkaufsverhalten der Kundschaft eingebunden ist.

Karneval in NRW, farbkodierte Tabelle. Die Combiner-Rate zeigt, welcher prozentuale Anteil der Kunden von Händler X im Analysezeitraum zusätzlich Händler Y besucht hat. Sie misst damit die Überschneidung aus Sicht eines spezifischen Händlers:

Loyalitätsstruktur und Kundenmix

Die Loyalitätssegmentierung zeigt strukturelle Unterschiede zwischen den Händlern.

In dieser Analyse gilt:

  • Primärloyale tätigten im Analysezeitraum mindestens 50 % ihrer Supermarktbesuche bei einem Händler.
  • Sekundärloyale entfielen mit 25–49 % ihrer Besuche auf einen Händler.
  • Gelegenheitskunden lagen unter 25 %.

REWE weist den höchsten Anteil an Primärloyalen auf. ALDI Nord, ALDI Süd und Edeka verfügen über relativ ausgewogene Loyalitätsstrukturen. Kaufland, Netto Marken-Discount und insbesondere Penny haben einen höheren Anteil an Gelegenheitskundschaft.

Unterschiede in der Loyalitätsstruktur tragen dazu bei, wie stabil Händler in Phasen intensiver Wettbewerbsdynamik performen.

Verteilung von Loyalitätstypen nach Händlern während des Karnevals in NRW:

Saisonale Ereignisse wie der Karneval wirken im Lebensmitteleinzelhandel wie ein Stresstest für eingespielte Einkaufsroutinen. Wenn Verbraucher ihre Alltagsmuster kurzfristig verändern, wird sichtbar, welche Händler tatsächlich Teil des relevanten Einkaufsrepertoires sind und welche vor allem von Gewohnheit profitieren. Die Daten zeigen damit weniger einen kurzfristigen Gewinner, sondern legen offen, wie relevant Wettbewerbspositionen im Alltag der Kundinnen und Kunden wirklich sind.

Boris Planer, unabhängiger Berater und Botschafter des World Retail Congress für Deutschland

Bedeutung für den Wettbewerb im LEH in NRW

Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich ableiten:

  • Die größten Harddiscounter – ALDI Nord, ALDI Süd und Lidl – verloren Besuchsanteile.

  • Netto Marken-Discount, Penny, REWE und Kaufland profitierten von Umverteilung und Wechselbewegungen.

  • Die Loyalitätsstruktur bleibt ein wichtiger Faktor für Wettbewerbsresilienz.

Der Karneval in NRW fungiert damit als messbarer Belastungstest für den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel. Durch die Analyse realen Besuchsverhaltens unmittelbar nach Ende der Kampagnenperiode erhalten Händler schnell Transparenz über Marktverschiebungen und Wettbewerbsdynamiken.

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