OBI gewinnt an Dynamik, während Bauhaus im deutschen DIY-Markt an Boden verliert
Der deutsche DIY- und Gartenmarkt nimmt traditionell im Frühjahr Fahrt auf, wenn Verbraucher wieder mit Renovierungs-, Garten- und Heimwerkerprojekten beginnen.
Accurat hat das Besuchsverhalten bei DIY- und Gartenhändlern zwischen Februar und April 2026 analysiert und mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2025 verglichen. Die neuesten Ergebnisse lagen bereits wenige Tage nach Ende des Analysezeitraums vor und zeigen, wie schnell sich Verhaltensänderungen heute mithilfe standortbasierter Marktforschung messen lassen.
Die Analyse umfasst Deutschlands größte nationale Baumarktketten — darunter OBI, Bauhaus, Hornbach, toom Baumarkt und Hagebau — sowie regionale Anbieter wie Globus Baumarkt und Hellweg und den Gartenspezialisten Dehner.
Das erste sichtbare Signal ist eindeutig: OBI stärkt seine Marktposition weiter, während mehrere etablierte nationale Anbieter bei Verbraucherbesuchen und Besucherreichweite an Boden verlieren.
OBI entwickelt sich zum größten nationalen Gewinner
Auf nationaler Ebene zeigt OBI im analysierten Zeitraum die stärkste Entwicklung im deutschen DIY-Markt. Zwischen Februar und April 2026 erreichte OBI einen Besuchsanteil von 22,6 % und verbesserte seine Position gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 um 3,1 % beziehungsweise 0,7 Prozentpunkte.
Im Gegensatz dazu verzeichnete Bauhaus den deutlichsten Rückgang: Der Besuchsanteil sank um 4,9 % beziehungsweise 0,8 Prozentpunkte. Auch toom Baumarkt verlor mit 3,6 % beziehungsweise 0,6 Prozentpunkten Besuchsanteil, während Hagebau nur einen marginalen negativen Trend zeigte. Hornbach blieb weitgehend stabil.
Außerhalb der größten nationalen Ketten stechen zwei Anbieter positiv hervor: Globus Baumarkt legte deutlich um 7,6 % beziehungsweise 0,8 Prozentpunkte zu, während Dehner mit 17,3 % beziehungsweise 0,9 Prozentpunkten das stärkste relative Wachstum im Besuchsanteil verzeichnete.
Bemerkenswert ist, dass die Dynamik rund um OBI genau in eine Phase fällt, in der das Unternehmen seine Markenkommunikation neu positioniert. Die jüngste Kampagne fokussiert sich weniger auf Produkte und stärker auf die Begleitung von Kunden bei Projekten und Dienstleistungen. Damit positioniert sich OBI zunehmend als Projektpartner statt ausschließlich als Händler.
Dieser breitere Wandel — weg von der reinen Transaktion hin zur Problemlösung und Projektbegleitung — war auch eines der zentralen Themen beim World Retail Congress vergangene Woche in Berlin, bei dem OBI ebenfalls auf der Bühne vertreten war.
Die Verhaltensdaten deuten nun darauf hin, dass diese strategische Neupositionierung bereits im Markt Wirkung zeigt.
Wachstum wird vor allem durch zusätzliche Besucher getrieben, nicht durch höhere Besuchsfrequenz
Die durchschnittliche Besuchsfrequenz blieb im deutschen DIY-Markt bemerkenswert stabil. Die meisten Händler zeigten kaum relevante Veränderungen darin, wie häufig bestehende Besucher zurückkehrten. Auch bei OBI war die Frequenz gegenüber 2025 nur leicht rückläufig.
Das stärkere Signal zeigt sich beim Anteil individueller Konsumenten, die einen Händler im Analysezeitraum besucht haben. Hier baut OBI seine Reichweite deutlich aus und steigert seinen Anteil auf 33,3 %, ein Plus von 0,9 Prozentpunkten gegenüber 2025. Auch Globus Baumarkt und Dehner konnten ihre Besucherbasis erweitern. Bauhaus hingegen verzeichnete den deutlichsten Rückgang, gefolgt von Hellweg und toom Baumarkt.
Dies deutet darauf hin, dass die aktuellen Marktveränderungen vor allem dadurch getrieben werden, dass zusätzliche Konsumenten bestimmte Handelsmarken besuchen — und nicht dadurch, dass bestehende Kunden häufiger kommen. Anders gesagt: Die Gewinner ziehen mehr Menschen an, statt mehr Wiederholungsbesuche zu generieren.
Wichtig ist dabei: Es handelt sich um Verhaltens- und Besuchsdaten, nicht um Umsatzmessungen. Die Analyse zeigt also, wie schnell sich verändertes Konsumentenverhalten im Markt sichtbar machen lässt.
Kundenbewegungen zeigen, wie OBI Besuchsanteile gewinnt
Auch die Analyse der Customer Journeys bestätigt dieselbe Entwicklung.
Ein Blick darauf, welche Händler Konsumenten unmittelbar vor einem Besuch bei OBI aufsuchten, zeigt mehrere interessante Muster. Ein erheblicher Anteil der Besuche stammt von loyalen Stammkunden, die wiederholt zu OBI zurückkehren.
Gleichzeitig gewinnt OBI Besucher von konkurrierenden Ketten wie Bauhaus, toom Baumarkt und Hagebau. Die stärksten Wettbewerbsbewegungen kommen von:
· Bauhaus → OBI
· toom Baumarkt → OBI
· Hagebau → OBI
Ein weiteres wichtiges Signal kommt von reaktivierten Besuchern („None“) in der Customer-Journey-Grafik. Dabei handelt es sich um Konsumenten, die in den vorherigen 90 Tagen keinen der ausgewählten DIY-Händler besucht hatten, bevor sie zu OBI gingen.
Das ist besonders relevant in der Frühjahrssaison, wenn viele Haushalte nach dem Winter wieder mit Garten-, Renovierungs- und Outdoorprojekten beginnen und dadurch als gelegentliche oder saisonale Käufer in die Kategorie zurückkehren.
Die Daten deuten darauf hin, dass OBI nicht nur Marktanteile von Wettbewerbern gewinnt, sondern besonders erfolgreich darin ist, neue oder zurückkehrende Frühjahrs-Konsumenten in die Kategorie zu ziehen.
Auch dies spiegelt Verhaltensbewegungen zwischen Handelsmarken wider, nicht Umsatzentwicklungen.
Regionale Unterschiede zeigen, wo OBI besonders stark wächst
Die regionale Analyse zeigt, dass sich die Wachstumsdynamik innerhalb Deutschlands deutlich unterscheidet. Um diese Unterschiede klarer sichtbar zu machen, fokussieren wir uns auf OBI — den größten Anbieter und stärksten nationalen Gewinner — sowie auf Bauhaus, das im Analysezeitraum den stärksten nationalen Besuchsrückgang verzeichnete.
Um den Vergleich fokussiert und wirtschaftlich relevant zu halten, wurden Deutschlands sechs größte Bundesländer nach Wirtschaftsleistung ausgewählt. Zusammen repräsentieren sie rund drei Viertel des deutschen BIP.
Die folgenden Zahlen zeigen die Veränderung des Besuchsanteils in Prozentpunkten im definierten Zeitraum zwischen 2025 und 2026.
Die stärksten Zugewinne für OBI zeigen sich in:
· Bayern (+3,2 Prozentpunkte)
· Niedersachsen (+3,0 Prozentpunkte)
· Nordrhein-Westfalen (+1,1 Prozentpunkte)
· Hessen (+0,8 Prozentpunkte)
Gleichzeitig verliert OBI in Berlin (-1,7 Prozentpunkte) und Baden-Württemberg (-1,4 Prozentpunkte) an Dynamik.
Bei Bauhaus zeigt sich die stärkste positive Entwicklung in Baden-Württemberg (+0,7 Prozentpunkte), während die deutlichsten Rückgänge in Berlin (-2,8 Prozentpunkte), Bayern (-1,8 Prozentpunkte), Hessen (-1,8 Prozentpunkte) und Niedersachsen (-1,4 Prozentpunkte) sichtbar werden.
Diese regionalen Unterschiede zeigen, wie stark Wettbewerbsdynamiken im DIY-Markt weiterhin von lokalen Marktstrukturen, Filialdichte und regionalem Konsumentenverhalten beeinflusst werden. Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie granulare Verhaltensdaten regionale Marktrealitäten sichtbar machen können, die in nationalen Durchschnittswerten häufig verborgen bleiben.
DIY spiegelt breitere Veränderungen im Konsumentenverhalten wider
Die Entwicklungen im deutschen DIY-Markt spiegeln breitere gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends wider, die weit über den Einzelhandel hinausgehen.
Wie der deutsche Retail-Experte Boris Planer kürzlich in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender NDR erklärte, steht DIY heute für weit mehr als nur den Wunsch, Geld zu sparen oder Möbel selbst zusammenzubauen. In einer zunehmend digitalen, abstrakten und unsicheren Welt suchen Konsumenten nach Aktivitäten, die sich greifbar, sinnvoll und kontrollierbar anfühlen.
Menschen wollen das Gefühl haben, noch selbst etwas gestalten zu können. DIY macht Dinge wieder greifbar und vermittelt das Gefühl, in einer stressigen und unsicheren Welt etwas Sinnvolles geschaffen zu haben
Was das für den deutschen DIY-Markt bedeutet
Drei strukturelle Beobachtungen stechen hervor:
· OBI zeigt aktuell die stärkste nationale Wachstumsdynamik bei Besuchen
· Die Veränderungen werden hauptsächlich durch mehr individuelle Besucher, nicht durch höhere Frequenz getrieben
· Die Wachstumsdynamik unterscheidet sich deutlich zwischen den einzelnen DIY-Händlern
Der deutsche DIY-Markt bleibt hoch kompetitiv, doch Verhaltensdaten zeigen bereits heute, welche Händler in der entscheidenden Frühjahrssaison erfolgreich neue Konsumenten anziehen.
Noch wichtiger ist jedoch: Diese Veränderungen werden nahezu in Echtzeit sichtbar. Was früher Monate an Umsatzdaten oder Panelanalysen erforderte, lässt sich heute innerhalb weniger Tage durch reale Verhaltensdaten erkennen.